Welche Herausforderung steht UniCredit bei der Commerzbank-Übernahme als Nächstes bevor?


UniCredit, die zweitgrößte Bank Italiens, ist der faktischen Kontrolle auf Aktionärsebene über die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Bank, deutlich näher gekommen.



Nach Angaben von UniCredit setzt sich ihre ausgewiesene Gesamtposition von 47,59 Prozent wie folgt zusammen: 26,77 Prozent hält die Bank direkt, 17,60 Prozent wurden im Rahmen des Übernahmeangebots angedient, und weitere 3,22 Prozent können über Instrumente mit physischer Lieferung erworben werden.

Nach Angaben von UniCredit entspräche dies 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, da deren eigene Aktien nicht stimmberechtigt sind.

Die angedienten Aktien und die damit verbundenen Stimmrechte sind jedoch noch nicht übertragen worden. Mehrere regulatorische Bedingungen sind weiterhin offen.

Von der Financial Times zitierte Analysten gehen davon aus, dass diese Position UniCredit nach Erteilung der Genehmigungen die faktische Kontrolle auf Hauptversammlungen verschaffen könnte. Das käme weder einer Mehrheitsbeteiligung noch der Kontrolle über das Tagesgeschäft der Bank gleich.

Laut Reuters muss Andrea Orcel nun zwischen zwei Wegen entscheiden: UniCredit könnte ihre Beteiligung auf mehr als 50 Prozent erhöhen und damit ihre Möglichkeiten stärken, personelle Veränderungen im Aufsichtsrat der Commerzbank vorzuschlagen. Oder die Bank könnte zunächst versuchen, einen Konsens mit der Führung der Commerzbank und weiteren Stakeholdern herzustellen.

Die Bundesregierung, die seit der Rettung der Commerzbank noch 12 Prozent hält, hat die Andienung ihrer Aktien formell abgelehnt.



Warum ist die Übernahme so heikel?

Das Management der Commerzbank und die Gewerkschaften lehnen die Übernahme ab. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zwar erklärt, Berlin werde sie nicht verhindern. Die Bundesregierung missbilligt das Vorgehen von UniCredit jedoch weiterhin und hat die Andienung ihrer eigenen Aktien formell abgelehnt.

Der Widerstand hat drei wesentliche Gründe.

  1. Die Commerzbank ist eine der wichtigsten Banken für den deutschen Mittelstand.

    Nach Angaben der Bank entfallen auf sie rund 30 Prozent der deutschen Außenhandelsfinanzierung. Einige Firmenkunden befürchten, dass wichtige Kreditentscheidungen künftig außerhalb Deutschlands getroffen werden könnten. In der deutschen Wirtschaft gibt es allerdings keine einheitliche Haltung. Reuters berichtete auch, dass einige Mittelstandsverbände mögliche Vorteile in der Größe und Kreditvergabekapazität einer größeren europäischen Bank sehen.

  2. Der Widerstand richtet sich auch gegen die Art und Weise, wie UniCredit die Übernahme vorantreibt.

    Das Bundesfinanzministerium hat das Vorgehen von UniCredit als aggressiv und feindselig bezeichnet. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank argumentieren, das Angebot bewerte die Bank zu niedrig und es fehle an einem glaubwürdigen Plan. UniCredit weist diese Einschätzung zurück.

    Nach Angaben der Financial Times untersagte die BaFin UniCredit formell unsachliche Übernahmewerbung, nachdem die Bank die Commerzbank als vernachlässigt, unsicher und kurzfristig orientiert dargestellt hatte. Die Aufsichtsbehörde bezeichnete die Anzeigen als provokativ und unsachlich und untersagte negative, reißerische oder unsachliche Aussagen über die finanzielle Lage der Commerzbank.
  3. Die Beschäftigten sorgen sich um mögliche Stellenstreichungen.

    Die Schätzungen gehen weit auseinander. UniCredit nannte rund 7.000 Stellen, das Commerzbank-Management rechnet mit 11.000, und der Betriebsrat geht laut Reuters von bis zu 23.000 aus.

Damit steht UniCredit vor einer schwierigeren Frage.

Wie will sie ihren Einfluss als Aktionärin in eine gemeinsam getragene Strategie überführen, solange Management und Beschäftigte der Commerzbank ihre Pläne weiterhin ablehnen?



UniCredit hat mehr erläutert, als es zunächst den Anschein hat

Seit fast zwei Jahren argumentiert UniCredit, die Commerzbank könne als Teil einer größeren europäischen Bankengruppe bessere Ergebnisse erzielen.

Die Angebotsunterlage liefert inzwischen einige Antworten darauf, was als Nächstes geschehen würde.

UniCredit erklärt, der Satzungssitz der Commerzbank werde in Frankfurt bleiben. Derzeit beabsichtige sie weder, in die Leitung der Commerzbank einzugreifen, noch eine Vertretung im Aufsichtsrat anzustreben oder ohne Zustimmung des Managements strukturelle Veränderungen durchzusetzen.

Dieselbe Unterlage nennt jedoch mögliche Kostensenkungen, darunter beim Personalaufwand, und beschreibt die Vorteile, die nach Ansicht von UniCredit aus einem späteren Zusammenschluss entstehen könnten.

Eine endgültige Zahl möglicher Stellenstreichungen oder einen detaillierten Plan für die Arbeitnehmervertretung im Falle eines späteren Zusammenschlusses nennt sie nicht.

Deutsche Unternehmen werden zudem wissen wollen, wie bestehende Kreditbeziehungen geschützt würden und wo wichtige Kreditentscheidungen künftig fielen.

Für den Mittelstand ist das besonders relevant. Daraus folgt jedoch nicht, dass alle deutschen Unternehmen die Übernahme ablehnen. Die Bedenken und die möglichen Vorteile sollten gleichermaßen offen angesprochen werden.

Vollzogen ist die Übernahme ebenfalls noch nicht. Aus der jüngsten regulatorischen Mitteilung von UniCredit geht hervor, dass Genehmigungen im Bereich der Fusionskontrolle, Investitionskontrolle, Kontrolle drittstaatlicher Subventionen und Finanzaufsicht noch ausstehen.

UniCredit zufolge könnte sich der Vollzug bis in die erste Jahreshälfte 2027 hinziehen.

Die Angebotsunterlage enthält damit erste Aussagen und Absichtserklärungen.

Das Kommunikationsproblem liegt im Spannungsverhältnis zwischen der derzeit erklärten Absicht von UniCredit, nicht in die Leitung der Commerzbank einzugreifen, und den weitreichenden Veränderungen, auf denen ihr Argument für einen späteren Zusammenschluss beruht.

Während der gesamten Kampagne hat UniCredit den Stakeholdern erklärt, warum die Commerzbank einen Wandel brauche. Die Commerzbank verteidigt dagegen ihre Unabhängigkeit und bezweifelt, dass die Ergebnisse der Andienung echte Unterstützung unabhängiger Aktionäre widerspiegeln.

Nach Angaben der Commerzbank haben weniger als 2 Prozent der institutionellen Anleger und Privatanleger ihre Aktien angedient. Der Großteil der angedienten Aktien stamme von Banken und mit UniCredit verbundenen Parteien.

UniCredit hält dagegen, dass die angedienten Aktien rechtsverbindlich zugesagt seien und sie ihre Position korrekt ausgewiesen habe.

Aus Sicht der Krisenkommunikation muss UniCredit nun erklären, wie ihre erklärte Absicht zur Zurückhaltung zu ihrem langfristigen Argument für Kostensenkungen und einen möglichen Zusammenschluss passt.

Die Commerzbank wiederum sollte ihre Beschäftigten und Kunden auf beide Möglichkeiten vorbereiten: auf ihre Unabhängigkeit und auf eine Zukunft, in der UniCredit erheblichen Einfluss als Aktionärin ausübt.

UniCredit kann glaubwürdig erklären, dass sie sich einer faktischen Kontrolle auf Aktionärsebene nähert.

Sie kann jedoch noch nicht behaupten, dass sie eine Mehrheit besitzt, das Tagesgeschäft der Commerzbank kontrolliert oder mit der Bank einen gemeinsamen Plan für einen Zusammenschluss vereinbart hat.



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